Railmen Story // 06.2018 FLIEGENDER WECHSEL – VON DER MRB ZU ABELLIO

FLIEGENDER WECHSEL – VON DER MITTELDEUTSCHEN REGIOBAHN ZU ABELLIO

Ralf Gruschinske und Henrik Friedrich sind am Zug

Es ist Mittag. Im menschenleeren Bahnhofsgebäude von Chemnitz bereitet sich RAILMEN-Lokführer Ralf Gruschinske auf seine nächste Zugfahrt vor. Erst vor wenigen Minuten ist er aus Riesa kommend mit einem modernen Triebzug vom Typ Alstom Coradia Continental der Mitteldeutschen Regiobahn im Bahnhof eingefahren. Gleich wird er einen Kollegen der RB-Linie 30 ablösen; sein neues Fahrziel wird Zwickau sein.

Die Bahnstrecke Dresden–Werdau, über welche die RB-Linie 30 führt, ist bogenreich und weist einige Steigungen auf, die dem Fahrzeug ab und an zu schaffen machen. „Besonders bei einsetzendem Regen bedarf es beim Anfahren und Bremsen sehr viel Gefühl.“ sagt Ralf Gruschinske, der mit einem herzlichen Händedruck nebenbei seine diensthabende Zugbegleiterin begrüßt. „Nicht nur die abwechslungsreiche Landschaft, sondern die mittlerweile über 100 Jahre alten Formsignale an der Strecke sind auf dieser Tour schon etwas Besonderes. Sie existieren nach wie vor neben dem Ks-, dem Hl- und dem H/V-System.“ betont er mit einem Lachen in der Stimme.

Für ihn ist es heute der letzte Tag bei der MRB, die mit insgesamt fünf Linien die Städte Dresden, Chemnitz, Zwickau, Hof, Elsterwerda, Leipzig und Döbeln verbindet. Der Zug rollt an und taucht in gleißendes Sonnenlicht. Es ist ein Frühlingstag wie aus dem Bilderbuch: azurblauer Himmel und sattes Grün auf weiter Flur.

Im August werden es für Ralf Gruschinske 5 Jahre bei RAILMEN. Im Alter von 52 Jahren hatte er sich entschieden, noch einmal neue Wege zu gehen und die Ausbildung zum Lokführer zu beginnen. Aus voller Überzeugung und mit hohem Engagement meisterte er die Prüfung mit Note 1. Finanzielle Unterstützung für seine Umschulungsmaßnahme bekam er damals keine. Er zahlte die komplette Ausbildung aus eigener Tasche. Der staatlich geprüfte Betriebswirt hatte zuletzt als Insolvenzverwalter genügend Existenzen scheitern sehen und wusste das Risiko seines Unterfangens einzuschätzen.

Unmittelbar nach seinem Abschluss wurde die RAILMEN-Geschäftsleitung auf den leidenschaftlichen Eisenbahner aufmerksam und bot ihm auf der Stelle einen festen und abwechslungsreichen Arbeitsplatz, mit guter Entlohnung und optimaler Absicherung an. Bis heute hat Ralf Gruschinske diesen Schritt nicht bereut und blickt seinem zukünftigen Einsatz als RAILMEN-Lokführer bei Abellio Rail Mitteldeutschland mit Freude entgegen – schließlich ist er dann in seiner Harzer Heimat unterwegs (und kann mehr Zeit mit seiner Familie genießen).

Kollege Henrik Friedrich – der seit 2010 zur RAILMEN-Familie gehört – wechselt ebenfalls ab Mai mit ihm zu Abellio. Für ihn kommt die Abwechslung wie gerufen. „Ich freue mich auf die neue Herausforderung. Vor allem mal wieder andere Strecken zu befahren, tut nicht nur dem Auge, sondern auch dem Geist gut.“ Der charmante Mittfünfziger ist mit Leib und Seele Lokführer und schon viel rumgekommen. Nachdem 2002 das Jahrhunderthochwasser die wunderschöne Schmalspurtrasse der Weißeritztalbahn völlig zerstört hatte, musste er nach 14 Jahren seinen Dienst als Lokführer vor Ort quittieren und sich neue Ziele stecken.

Fast genau sechs Monate ist Henrik Friedrich als RAILMEN-Lokführer für die Mitteldeutsche Regiobahn im Einsatz gewesen. Er lobt das nette Miteinander unter den Bahnkollegen, wobei er durch seine aufgeschlossene Art sicherlich auch bei den Abellio Mitarbeitern schnell gut ankommen wird. Der eine oder andere Kollege dort wird ihn sogar noch kennen – immerhin hat er bereits über einige Zeit nach der Betriebsaufnahme bei Abellio ausgeholfen.

Und während Ralf Gruschinske seine Fahrt nach Zwickau fortsetzt, startet Henrik Friedrich zu seinem Dienstbeginn von Chemnitz aus nach Elsterwerda.