Railmen Story // 05.2015 ZUCKERROHR, DAMPFLOKS UND VULKANE: SPEKTAKULÄRE BILDERGALERIE VON STEFFEN MANN

Es war eine Reise in die Dampflokvergangenheit Deutschlands und Europas ...

... und zwar auf Java in Indonesien, im Juli 2014: Das Ziel war es, die letzten Zuckerfabriken zu besuchen: Denn die setzen für ihre Werk- bzw. Feldbahnen immer noch Dampflokomotiven ein – und zwar die ältesten ihrer Art – ein unglaubliches Dampflokmuseum, unter Sonnen und Palmen viele Tausend Kilometer von den Herkunftsländern der Loks, von Europa, entfernt.

Feldbahnen eines ganzen Jahrhunderts

Die Gleise der Feldbahnen führen von den Zuckerplantagen direkt in die Fabriken – und zwar in Spurweiten von 600, 700 und 750 mm. Die besagten Dampflok`s stammen meist von deutschen Herstellern wie O&K, Borsig, Henschel, BMAG vormals L. Schwartzkopff /Berlin-Wildau, SFM vormals Richard Hartmann/Chemnitz, Hanomag/Hannover,  Jung/Jungenthal sowie ein paar wenige von ausländischen Herstellern, z. B. aus Holland. Diese Loks sind allesamt zwischen 1895 bis in die 1930er Jahre gebaut.

Ein Dampflokparadies

Die jüngste Lok war eine Jung-Lok von 1961! Dabei gibt es bei den Dampflok`s die unterschiedlichsten Konstruktionen, viele davon gibt es in Deutschland schon lange nicht mehr: B`1, C, D und E-Kuppler (2, 3, 4 u. 5achsig ) mit Innen- u. Außenrahmen als herkömmliche Dampflok sowie in unterschiedlichsten Sonderbauarten wie Dampfspeicherlok, Mallet, Luttermöller, Getriebe-Lok, 5achsig mit Blindwelle ... .

Die größte Feldbahnlok stellte eine 1`E 1` -Schlepptenderlok mit ehemals. 6achsigen Tender von O&K von 1935 dar – und das auf einer 700-mm- Spur! Befeuert werden die Lok`s größtenteils mit Bargasse (ausgepreßtes getrocknetes Zuckerrohr- ein Abfallprodukt ) bzw. mit zugekauftem Brennholz. Ein Feldbahnparadies und lebendiges Museum zugleich also! Die Zuckerrohrernte findet immer in den Monaten Juni bis August statt.

Nur noch 12 Zuckermühlen mit Dampfloks

Es gab dieses Jahr noch 12 Zuckermühlen mit Dampflok`s, aber es werden immer weniger. Es ist also „Fünf-vor-Zwölf“, und ich wollte deshalb schon immer mal nach Java. Insgesamt sind um die 35 Zuckermühlen in Betrieb, das Gros setzt jetzt schon meist Diesellok`s ein: Neuere japanische Lok`s, aber auch auf diesem Sektor gibt es eine Fülle von antiquaren Stücken, z. B. von O&K, Deutz, Schöma, Diema, LKM u. a.. In den Mühlen selbst gibt es natürlich auch altehrwürdige Dampfmaschienen.

Die älteste betriebsfähige Hartmann-Lok von 1896

Des weiteren gab es auf Staatsbahngleisen mit 1067-mm-Spur für uns auf Bestellung die älteste betriebsfähige Hartmann-Lok von 1896 und eine Hanomag 2`B-Schlepptenderlok von 1902, sowie auf der Waldbahn Cepu (Teakholz) ein Schwartzkopff E-Kuppler von 1929 zu sehen. Bei der Zahnradbahn Ambarawa waren leider die beiden Zahnradlok`s von der MaFa Esslingen (Baujahr 1902) nicht einsatzfähig, aber eine beachtliche Museumslok-Sammlung mit viele, vielen. . . Hartmann –Lok`s  gibt es dort zu sehen.

Eigentlich ist Java zur Zuckerernte neben China, wo der Dampfbetrieb fast täglich weniger wird, das größte Dampfparadies weltweit schlechthin! Wer weiß, wie lange noch? Zeit müßte man haben. . . ! Abgesehen davon, daß es dort viel zu heiß war ( gefühlte 45 Grad ), war es eine sehr schöne, aber auch anstrengende Reise. Aber wir haben es ja gewußt. 

Postscriptum:

PS: Auch Land, Leute und Landschaften kamen dabei nicht zu kurz. Das absolute Highlight war der Sonnenaufgang über den Wolken mit Blick auf die Vulkane Bromo und Semeru ... Das kann man nur empfehlen.